Aromantik · Asexualität

Polyamore asexuelle Romantik?

Sobald man sich etwas näher mit der Asexualität beschäftigt, stößt man auf das split attraction model, das zwischen Asexualität und romantischen Gefühlen unterscheidet. Empfindet jemand diese nicht, so ist derjenige aromantisch. Ansonsten kann man den ganzen Fächer der sexuellen Orentierung auch auf die romantische übertragen (biromantisch, homoromantisch, panromantisch,…).

Um sich hier einordnen zu können, sollte mensch aber erst einmal wissen, was genau romantische Anziehung ausmacht. Das Konzept ist meiner Ansicht nach um einiges nebulöser als der sexuelle Gegenpart und sehr subjektiv.

Gemäß der weit verbreiteten Ansicht in der Gesellschaft erkennt man romantische Gefühle daran, dass die Person die „Eine“ ist, der man näher sein will als jedem anderen und mit der man zusammen sein will. Wenn ich mir persönlich so eine feste Partnerschaft vorstelle, dann sind da aber nicht nur zwei beteiligt. Und hierbei bin ich auch nicht die einzige, polyamore Menschen gibt es, asexuell oder auch nicht. Deswegen fällt hier schon mal monogame Gefühle = romantische Anziehung für mich weg.

Dann gäbe es da noch die Leier von „Du weißt es einfach!“ und „Das ist einfach mehr als Freundschaft!“. Ich bezweifle, dass das flächendeckend für irgendeine Gruppe außer Cis-Heteros zutrifft. Ich kenne zu viele, die ewig gebraucht haben, um festzustellen, dass sie sich tatsächlich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen und für Leute, die trans sind, kann das ganze auch knifflig werden. Und romantische Beziehungen durchweg als „mehr“ zu bezeichnen im Vergleich zu Freundschaften geht so ziemlich gegen jede Erfahrung, die ich gemacht habe in meinem Leben.

In meinen Gesprächen mit anderen (so wohl Straights als auch queere Leute) war das Problem häufig, dass diese nicht zwischen sexueller und romantischer Anziehung unterscheiden, weil sie es einfach als Ganzes empfinden. Das ist vor allem für Aces wie mich, die überhaupt nichts mit Sex am Hut haben und dazu nicht so auf ständige Berührung stehen, ziemlich schwer nachzuvollziehen. Das, was dann noch übrig bleibt, wie etwa gerne mit der Person Zeit zu verbringen, an sie zu denken, wenn sie nicht da ist oder sich zu freuen, wenn man sie sieht, sind alles Dinge, die ich auch bei meinen Freunden erlebe.

Und Schmetterlinge im Bauch? Die hab ich auch, jedes Mal wenn mein mentaler Zustand wieder im Keller ist und ich mit Leuten interagieren muss. Obwohl die gemeinten Schmetterlinge wohl auch irgendwie positiv sein sollen. Wie kann mir bisher auch noch keiner richtig erklären.

Also, wie bin ich romantisch orientiert? Ich habe keine Ahnung. Vermutlich schon irgendwie aromantisch. Aber mittlerweile tendiere ich eher dazu, einfach das split attraction model anderen zu überlassen. Ich bin einfach asexuell. Was ich für eine Beziehung haben möchte, kann ich immer noch so für mich entscheiden. Das haben mir die queer-platonischen/quasi-platonischen Beziehungen anderer gezeigt.

Das ist meine persönliche Erfahrung hiermit. Ich spreche auch für niemanden sonst. Es gibt keine „falsche“ Art von romantischer Orientierung und wenn einer der Ansätze hier für euch funktioniert, ist das toll!

Es würde mich sehr interessieren, was andere für Erfahrungen mit dem split attraction model oder allgemein romantischer Anziehung gemacht haben. Ich bin offen für Kommentare oder Nachrichten!

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2 Kommentare zu „Polyamore asexuelle Romantik?

  1. Hier kann ich einfach nicht schweigen: Schöner Text.
    Am Konzept der romantischen Orientierung lässt sich wunderbar aufzeigen, wie subjektiv jegliche Orientierung sein kann, und dass manche Konzepte (sei es dieses, Gender, sexuelle Anziehung, was auch immer) eben für manche Leute keinen Sinn ergeben, und das ist dann auch okay.
    Aber bring mal einer Journalistin bei, dass „Sex“ für jede asexuelle Person etwas Anderes bedeutet. Es ist halt einfacher, einen Monolithen zu vermitteln als eine sehr inhomogene Gruppe …

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    1. Es freut mich sehr, dass du was mit dem Text anfangen kannst! Ich hatte schon häufiger das Gefühl, dass manche Menschen im Eifer des Gefechts vergessen, dass nicht jedes Konzept für jede Person geeignet ist. Die Faustregel sollte immer sein, die Informationen dazu bereit zu stellen und es letztendlich Leuten selbst zu überlassen, was sie damit machen.
      Ja, ich habe auch schon festgestellt, dass selbst die Artikel/Interviews, die Asexualität positiv darstellen, nur einen sehr verengten Blick darauf werfen. Meist schließen sie von der Person oder dem Pärchen, die sie interviewen auf die gesamte Gruppe.
      Letztendlich bleibt uns wohl nichts anderes übrig als über unsere Erfahrungen zu sprechen und zu zeigen, was für ein breitgefächertes Spektrum wir darstellen 😉

      Gefällt 1 Person

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